Pantha du Prince - Glühen 4
Von Bäumen, Beton und Basalt - English / German
René Dachner bringt mit seiner Partyreihe "Weald" Qualitätstechno in die Hansestadt. – so auch den den erfinderischen Klangverwerter Hendrik Weber alias Pantha du Prince am 18.Juli ins Uebel & Gefährlich. Der Musiker über das Austesten von Grenzbereichen und den Charme des "Schweizer Urjodel".
Die Musik bei deinen Live-Sets spalten die Clubgänger und gelten als experimentell. Wie würdest du selbst deinen aktuellen Sound beschreiben?
Im Moment finde ich Livesampling sehr spannend. Also Stimmen, Glocken, Kalimba, Tische, Stühle –alles was so auf der Bühne steht kann ich live einarbeiten. Es ist eine Mischung aus Improvisieren und Neuarrangieren von bestehenden Stücken. Ab einem gewissen Punkt arbeite ich aber hin zur klassischen Clubabfahrt, das Experiment sollte somit schon im Club-Rahmen funktionieren.
Dein Techno ist bekannt für die Melancholie – wie kann das zur „Clubabfahrt“ führen?
Das ist ja kein Widerspruch. Es geht darum, Grenzbereiche im Club auszutesten. Manchmal weiß ich selber nicht was gerade passiert. Es ist immer wieder eine Überraschung, wenn ich merke, dass ich gerade zusammen mit einer großen Menge zu eigentlich sehr seltsamen Klängen tanze. Zu Musik, die nicht in erster Linie dem aktuellen Trend und Danceflooreffizienz folgt aber eben Swing hat. Ich glaube, die Menschen genießen dann die Besonderheit der Situation.
Viele hamburger DJs und Produzenten orientieren sich gerade an den frühen House-Sounds. Dial, das Label auf dem auch deine beiden Alben releast hast, ist einer der Wegbereiter dieses Trends. Wie findest du solche Tendenzen?
Es war notwendig, die Geschichte dieses Genres aufzuarbeiten. Auf Grund der technischen Möglichkeiten kam es zu einer sehr inhaltsleeren Konsummusik im Club. Gerade als DJ befürworte ich diesen Trend und freue mich selbst immer wieder alte Perlen auszugraben.
Passt du dich bei deinen Auftritten dem Publikum oder der Stadt an?
Ich bewege mich immer durch die Räume bevor ich anfange, dann kann ich besser auf besondere Situationen reagieren. Ich spiele ja auch auf bestuhlten Festivals, da habe ich dann natürlich andere Möglichkeiten und spiele auch andere Musik, obwohl das Material aus dem ich als Liveact schöpfe überall gleich ist. Der Ort und die Menschen spielen eine große Rolle in welche Richtung ich mich mit dem Set bewege.
Was beeinflusst dich heute musikalisch?
Filme sind sehr wichtig, genau wie Fotografie und Malerei. Visuelles ist manchmal musikalischer als Musik. Aktuell interessieren mich orientalischen Klänge sowie Musik aus menschlichen Stimmen ohne Sprache. Deshalb finde ich auch Schweizer Urjodel besonders spannend.
Du arbeitest gerade an deinem dritten Album. Wird es da auch nach Stimmen und Glocken klingen?
Es wird nach Bäumen und Beton, Rubinen und Basalt, Schneestürmen und Sonnenstürmen klingen. Nach einer neuen Welt.
Laura Dunkelmann
